EuGH-Entscheidung zu Online-Glücksspielen: Nationale Verbote bleiben wirksam

Blake Hartmann · Jun 24, 2026

EuGH-Entscheidung zu Online-Glücksspielen: Nationale Verbote bleiben wirksam

EuGH-Gebäude in Luxemburg mit Fokus auf die Rechtsprechung zu Glücksspielen

Der Gerichtshof der Europäischen Union hat in der Rechtssache C-440/23 klargestellt, dass EU-Recht Mitgliedstaaten wie Deutschland nicht daran hindert, bestimmte Online-Casino-Spiele, Automatenspiele und ausgewählte Wettformen zu verbieten, und zwar auch dann, wenn die Anbieter in anderen EU-Ländern wie Malta eine Lizenz besitzen, während zivilrechtliche Konsequenzen wie die Nichtigkeit von Verträgen und die Rückerstattung verlorener Einsätze durchgesetzt werden können.

Der Fall drehte sich um maltesisch lizenzierte Betreiber sowie die Verluste eines deutschen Spielers zwischen 2019 und 2021, die unter der damaligen generellen Verbotsregelung für Online-Glücksspiele in Deutschland entstanden waren, bevor das System der vorherigen Genehmigung im Jahr 2021 eingeführt wurde.

Hintergründe des Verfahrens

Deutsche Vorschriften sahen zu jener Zeit ein umfassendes Verbot für Online-Glücksspiele vor, das auch Anbieter mit Lizenzen aus anderen Mitgliedstaaten betraf, und die Klage eines Spielers zielte auf die Rückerstattung von Einsätzen ab, die über Plattformen getätigt worden waren, die in Malta zugelassen waren. Experten beobachten, dass solche grenzüberschreitenden Situationen häufig auftreten, weil Anbieter ihre Dienste über das Internet anbieten, während nationale Regeln den Schutz der Verbraucher priorisieren und gleichzeitig den Zugang zu nicht genehmigten Angeboten einschränken.

Das Verfahren gelangte schließlich vor den EuGH, der prüfen musste, ob die deutschen Verbote mit den Grundsätzen des EU-Binnenmarkts und der Dienstleistungsfreiheit vereinbar sind, und die Richter stellten fest, dass die Mitgliedstaaten weiterhin Spielräume haben, um strenge Regelungen aufrechtzuerhalten, solange diese verhältnismäßig und nicht diskriminierend sind.

Kernpunkte des Urteils

Der EuGH entschied, dass EU-Recht weder die Verbote bestimmter Spielformen noch die Durchsetzung zivilrechtlicher Folgen wie Vertragsnichtigkeit und Rückzahlungspflichten ausschließt, und diese Feststellung gilt unabhängig davon, ob ein Betreiber in einem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist. Beobachter weisen darauf hin, dass die Entscheidung die Autonomie der Mitgliedstaaten bei der Regulierung von Glücksspielen bestätigt, weil solche Märkte sensible Bereiche darstellen, die mit Risiken für Verbraucher und öffentliche Ordnung verbunden sind.

In der Praxis bedeutet dies, dass deutsche Gerichte weiterhin Klagen auf Rückerstattung verlorener Beträge zulassen können, selbst wenn die Spiele von maltesischen Lizenznehmern angeboten wurden, und die Betreiber sehen sich potenziell mit finanziellen Verpflichtungen konfrontiert, die aus den nationalen Verboten resultieren. Daten aus ähnlichen Verfahren zeigen, dass solche zivilrechtlichen Mechanismen Spielern eine Möglichkeit bieten, finanzielle Verluste geltend zu machen, während die Anbieter ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen.

Richterbank im EuGH mit Dokumenten zu Glücksspielregulierungen

Auswirkungen auf Betreiber und Verbraucher

Betreiber mit Sitz in Malta oder anderen EU-Staaten müssen nun prüfen, ob ihre Angebote in Deutschland weiterhin zugänglich bleiben dürfen, und sie riskieren, dass Verträge mit deutschen Spielern als nichtig betrachtet werden, was zu Rückzahlungsforderungen führen kann. Die Entscheidung betrifft insbesondere Slot-Maschinen und bestimmte Wettarten, die unter das generelle Verbot fielen, und stellt klar, dass Lizenzen aus anderen Mitgliedstaaten keinen automatischen Zugang zum deutschen Markt gewähren.

Spieler, die zwischen 2019 und 2021 Verluste erlitten haben, erhalten dadurch eine rechtliche Grundlage, um Rückerstattungen einzufordern, und Gerichte in Deutschland können diese Ansprüche auf Basis nationaler Vorschriften prüfen, ohne dass EU-Recht dem entgegensteht. Forscher haben in vergleichbaren Fällen festgestellt, dass solche Regelungen den Verbraucherschutz stärken, indem sie Anreize für illegale Angebote reduzieren und gleichzeitig legale Kanäle fördern.

Rechtliche und regulatorische Konsequenzen

Die Regelung bleibt auch nach der Umstellung auf ein Genehmigungssystem im Jahr 2021 relevant, weil die Verluste aus der Vorperiode stammen und die zivilrechtlichen Folgen weiterhin durchgesetzt werden können. Laut Press Release No 53/26 – Judgment of the Court in Case C-440/23 bestätigt der Gerichtshof die Vereinbarkeit mit EU-Recht, und dies hat Auswirkungen auf ähnliche Verfahren in anderen Mitgliedstaaten, die vergleichbare Verbote aufrechterhalten.

Deutsche Behörden können die Verbote weiterhin überwachen und durchsetzen, während Betreiber gezwungen sind, ihre Compliance-Strategien zu überarbeiten, um Risiken aus Rückerstattungsklagen zu minimieren. Statistiken zu Glücksspielregulierungen zeigen, dass klare nationale Rahmenbedingungen oft zu einer Reduzierung von Grauzonen führen und den Übergang zu lizenzierten Angeboten erleichtern.

Schlussfolgerung

Das Urteil in der Rechtssache C-440/23 schafft Rechtssicherheit für deutsche Vorschriften und ermöglicht die Fortsetzung der bisherigen Praxis bei der Behandlung von Verboten und zivilrechtlichen Ansprüchen, und es bleibt abzuwarten, wie Betreiber und Gerichte diese Klarstellung in laufenden und zukünftigen Fällen umsetzen werden. In Juni 2026 wirkt sich die Entscheidung weiterhin auf die Struktur des deutschen Online-Glücksspielmarkts aus, weil sie die Balance zwischen EU-weiter Dienstleistungsfreiheit und nationalen Schutzinteressen verdeutlicht.